Ein neues Lebensgefühl: Wie sich unser Leben in Spanien von Deutschland unterscheidet

Der Umzug in ein neues Land ist mehr als nur ein geografischer Wechsel – es ist eine Reise in eine andere Lebensweise. Wir durften dies nun bereits mehrfach ausprobieren. Wer jedoch von Deutschland nach Spanien zieht, erlebt nicht nur ein anderes Klima, sondern auch eine andere Kultur, Mentalität und Lebensrhythmus. Doch wie genau unterscheidet sich das Leben in Spanien von dem in Deutschland? Hier ein Einblick in die wichtigsten Unterschiede und Eindrücke.

Das Klima als Lebensmotor

Einer der offensichtlichsten Unterschiede ist natürlich das Wetter. In vielen Teilen Spaniens scheint die Sonne fast das ganze Jahr über, was nicht nur die Stimmung hebt, sondern auch den Alltag maßgeblich beeinflusst.

Die viele Sonne hier sorgt dafür, dass unser Körper ausreichend Vitamin D bilden kann – ein wichtiger Faktor für ein starkes Immunsystem und ein positives Lebensgefühl.

In Deutschland hingegen prägen wechselhaftes Wetter und dunkle Wintermonate oft den Alltag. Als ich kürzlich im Dezember zu Besuch in Deutschland war, wurde mir dieser Unterschied besonders bewusst. Das nasskalte Wetter kroch buchstäblich durch jede Schicht Kleidung, die ich trug. Es war das erste Mal, dass ich spürte, wie die Kälte sogar durch die Sohlen meiner Schuhe drang.

Natürlich gibt es auch in Teilen Spaniens kalte und regnerische Tage. Im Dezember erleben wir hier manchmal morgens Temperaturen um die 3 Grad, und ich ziehe mir dann auch Handschuhe und eine Mütze an, wenn ich mit unserem Hund spazieren gehe. Doch der große Unterschied liegt in der Sonne. Selbst an kalten Tagen fühlt sich das Leben anders an, denn die Sonnenstrahlen wirken wie eine Infrarotheizung im Gesicht. Spätestens gegen Mittag sitze ich oft in kurzer Hose und T-Shirt auf der Terrasse – ein Gefühl, das für mich pure Lebensqualität bedeutet.

Der Rhythmus des Lebens

Die Spanier leben definitiv in einem anderen Takt. Während in Deutschland Pünktlichkeit und Effizienz oft an erster Stelle stehen, spürt man in Spanien einen entspannteren Rhythmus. Die Siesta – auch wenn sie längst nicht überall mehr strikt eingehalten wird – symbolisiert für mich diese besondere Wertschätzung von Pausen und Erholung. Abends wird es hier spät: Restaurants öffnen oft erst gegen 20 Uhr, und das soziale Leben blüht bis tief in die Nacht hinein. Wir merken das immer wieder, wenn wir auf unseren Lieblings-Döner warten, der erst um 19:30 Uhr die Türen öffnet und den Grillspieß anwirft.

Auch Feiertage und Sonntage werden hier anders zelebriert. Je nach Region bleiben in größeren Städten sogar sonntags Geschäfte geöffnet – allerdings nicht schon frühmorgens, sondern eher ab 10 oder 11 Uhr, dafür aber bis abends um 20 Uhr. Überraschend war für uns das erste Weihnachtsfest in Spanien: Am 26. Dezember geht das Leben hier einfach weiter, denn es ist kein offizieller Feiertag. Dafür gibt es in Spanien zahlreiche regionale und sogar kommunale Feiertage, die teils nur in einzelnen Gemeinden gefeiert werden. Einmal auf La Palma haben wir erlebt, dass die Geschäfte in unserer Gemeinde geschlossen blieben, während im nächsten Ort alles ganz normal geöffnet war. Solche Überraschungen gehören hier einfach dazu.

In Deutschland sind die Tage oft stärker durchgetaktet, mit klaren Arbeitszeiten und festen Essensgewohnheiten. Diese Struktur gibt einem zwar Sicherheit, aber ich genieße den spanischen Rhythmus, der mehr Raum für Spontaneität und eine gewisse Leichtigkeit lässt.

Mentalität und soziale Kultur

Die spanische Mentalität ist geprägt von Herzlichkeit und Gemeinschaft. Ob in der Familie, unter Freunden oder mit Nachbarn – soziale Kontakte haben hier einen hohen Stellenwert. Man trifft sich regelmäßig, tauscht sich aus und genießt die Gesellschaft anderer. Diese Offenheit kann anfangs überwältigend wirken, besonders wenn man aus einer eher zurückhaltenden Kultur kommt, aber sie ist unglaublich ansteckend und bereichernd. Besonders stark habe ich das während des Vulkanausbruchs auf La Palma gespürt. Auch wenn es sich dabei um eine Extremsituation handelte, hat sie mir gezeigt, was echte gegenseitige Hilfe bedeutet – eine Form von Zusammenhalt, die ich in Deutschland so nur noch aus meiner Kindheit kenne.

In Deutschland habe ich oft das Gefühl, dass das Private stark geschützt wird und soziale Interaktionen eher zurückhaltend oder sogar fast ausschließlich digital ablaufen. Diese Distanz mag Raum für Individualität lassen, kann aber auch als kühl empfunden werden. Wenn dann doch mal jemand Fremdes einen anspricht, reagieren viele erschrocken oder distanziert. In Spanien hingegen ist es völlig normal, spontan ins Gespräch zu kommen, selbst mit Menschen, die man vorher nie getroffen hat – eine Eigenschaft, die mir sehr ans Herz gewachsen ist.

Kulinarik und Genuss

Ganz ehrlich: Mit der spanischen Küche kann ich so gut wie gar nichts anfangen. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass ein Restaurantbesuch hier für mich oft rausgeschmissenes Geld ist. Ich weiß, diese Meinung wird bei einigen Lesern sicher auf Unverständnis stoßen. „Was gibt es Besseres als einen Teller voller frischer Meeresfrüchte und Fisch?“ werden manche denken. Aber genau das ist mein Problem – ich bin überhaupt kein Fan von Meeresfrüchten. Und die Tapas? Die habe ich in Deutschland beim Spanier einfach anders kennengelernt. Hier vor Ort überraschen mich die örtlichen Tapas immer wieder, oft auf eine Weise, mit der ich einfach nichts anfangen kann.

Was mich allerdings an der spanischen Esskultur fasziniert, ist die unglaubliche Frische der Produkte. Olivenöl, Früchte und Fisch spiegeln eine mediterrane Lebensart wider, die man in Deutschland höchstens aus hochwertigen Delikatessenläden kennt. Hier wird jede Mahlzeit zelebriert. Manchmal habe ich das Gefühl, ein Spanier geht essen, um zum Tinto de Verano oder Glas Wein einfach eine Kleinigkeit zu snacken. In Deutschland ist es genau andersherum: Wir trinken zu unseren Mahlzeiten, aber im Mittelpunkt steht das Essen selbst. Das sorgt dafür, dass Restaurant- und Barbesuche in Spanien oft lange dauern und vor allem sehr gesellig sind – ein Erlebnis, das ich trotz meiner Vorbehalte gegen die Küche immer wieder genieße.

Fazit: Ein neues Lebensgefühl


Ein Leben in Spanien bedeutet für mich, sich auf eine völlig neue Lebensweise einzulassen – voller Sonne, Gelassenheit und einem starken Gemeinschaftsgefühl. Der entspannte Rhythmus, die Herzlichkeit der Menschen und die Nähe zu frischen, regionalen Produkten schaffen ein Lebensgefühl, das so ganz anders ist als die strukturierte und manchmal zurückhaltende Art in Deutschland. Das Leben in Spanien fühlt sich oft leichter, spontaner und lebendiger an, während ich in Deutschland die Sicherheit und Verlässlichkeit der Struktur schätze. Wie geht es euch damit? Könntet ihr euch vorstellen, diesen Wechsel zu wagen, oder fühlt ihr euch in der deutschen Ordnung wohler? Ich bin gespannt auf eure Gedanken!


Kommentare

Eine Antwort zu „Ein neues Lebensgefühl: Wie sich unser Leben in Spanien von Deutschland unterscheidet“

  1. Avatar von Barbara
    Barbara

    Hallo…wie erfrischend zu lesen, dass es noch jemanden gibt, der mit der andalusischen Kueche nicht richtig warm wird….lol.
    Freu mich auf mehr videos … auch und besonders zu Infos zu der Region in der Du lebst und den dortigen Alltag. Gracias y hasta pronto Barbara

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